MDK-Prüfungsergebnis

Waldhaus Lübberstedt

Waldstr. 1
27729 Lübberstedt

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Pflegeleitbild für Alkoholiker

Sucht ist ein Bestandteil unserer Gesellschaft

Zum besseren Verständnis

Wer in unserer Gesellschaft auf Suchtmittel verzichtet, wird zum Außenseiter. Suchtstoffe nehmen einen hohen Stellenwert ein. Wie würde unser Zusammenleben aussehen, möchte ich ketzerisch fragen, wenn es die benebelnde Macht der Rauschdrogen - und hier wieder an erster Stelle des Alkohols - nicht gäbe? Kann man sich die Folgen ausmalen?

Kein Bier, kein Wein, kein Schnaps? In Bremen der Freimarkt, aber kein Fest? Was würde man dem Chef mitbringen, wenn er auf die Idee kommen sollte, zum Geburtstag einzuladen? Womit würde man in der Silvesternacht auf das neue Jahr anstoßen, worin Liebeskummer, Sorgen, Ärger, Zahnweh ersäufen, und womit die vielen anderen Wehwehchen kurieren? Auch im öffentlichen Leben wird der Alkohol dringend benötigt ... Alkohol ist ein fester Bestandteil des öffentlichen Lebens, eine Art zweite Währung. Er sorgt für Gemeinsamkeit, Unterhaltung, Stimmung, vertreibt die grauen Gespenster des Missmuts. Mit ihm lässt sich Zugehörigkeit ausdrücken, Dank und noch einiges mehr...

Wo der Alkohol so dringend gebraucht wird, werden die sichtbaren Opfer, die Abhängigen, leicht als störend empfunden. Sie zeigen am deutlichsten die innere Leere und führen die Gefahr vor Augen, diese mit Suchtmitteln ausfüllen zu wollen. Ein Doppelmechanismus setzt ein: Hilfsmaßnahmen auf der einen Seite und Ausgrenzungsbemühungen auf der anderen. Man spricht von labilen Charakteren, schreibt das Leiden der Vererbung zu und lobt das eigene Maßhalten-Können: "Man muss halt wissen, wann man genug hat ...".

Die Suchtkranken gehören zu den Schwachen, an denen die Mehrheit sich stärkt. Waren die Abhängigkeitskranken vor ihrer Entwöhnungsbehandlung in der Außenseiterposition des Alkoholikers, so kommen sie danach in die Außenseiterposition des Abstinenten, der lernen muss, gegen den Strom zu schwimmen. Ich bewundere jeden, der es schafft.

Das Gefühl geben, gebraucht zu werden

Das Suchtmittel - Alkohol oder Alkohol in Kombination mit Tabletten - hat das Ich des Menschen immer weiter hinausgetrieben und sich als "Herr im Haus" eingesetzt, dabei vieles zerstört. Jetzt muss der Mensch in sich zurückfinden, soweit das noch möglich ist. Die Gedächtnisstörungen, die zwar nicht bewusst sind, aber doch als Unsicherheit und Orientierungslosigkeit im Gefühl erlebt werden und Angst machen, der Verlust der eigenen Biographie und damit des Gefühles der Kontinuität (ich war - ich bin - ich werde sein), Schuldgefühle und schlechtes Gewissen, Ausgeliefertsein an Stimmungen, und bei allem das (zutreffende) Gefühl, keinen Boden unter den Füßen zu haben. Unsere Bewohner sind ohne „Heimat“ vor allem in sich selbst.

Wo sehen wir unsere Aufgabe im Waldhaus Lübberstedt?! Wir versuchen, den Menschen eine Heimat zu geben, indem wir eine stabile, sichere Umgebung schaffen, mit festen Strukturen, die Halt gibt, wo das eigene Rückgrat nicht mehr oder noch nicht stark genug ist. Strukturen, zum Beispiel im Tages- und Wochenablauf, üben auch das Gedächtnis, weil sie mit der Zeit erinnert (verinnerlicht) werden.

Da unsere Bewohner kaum durch Worte und Belehrungen (die vergessen werden), aber sehr gut durch eigenes Tun lernen und Erfahrungen machen können, leiten wir sie täglich an,. Sie lernen sich in ihrer häuslichen Umgebung und der Gemeinschaft zu beschäftigen. Dadurch entsteht wieder Selbst-Bewusstsein, Verantwortungsgefühl und Stolz.

Das AEDL-Strukturmodell

Das AEDL-Strukturmodell stelle eine Strukturierungshilfe für die systematische Erfassung von Problemen, Bedürfnissen und Fähigkeiten der Patienten dar. Die ersten elf AEDL-Bereiche orientieren sich am Lebensmodell von Roper, die Bereiche: „Soziale Bereiche des Lebens sichern“ und „Mit existenziellen Erfahrungen des Lebens umgehen“ wurden von Krohwinkel selber entwickelt.

Aktivitäten und Existenzielle Erfahrungen Des Lebens sind:

  1. kommunizieren
  2. sich bewegen
  3. vitale Funktionen des Lebens aufrecht erhalten
  4. sich pflegen
  5. essen und trinken
  6. ausscheiden
  7. sich kleiden
  8. ruhen und schlafen
  9. sich beschäftigen
  10. sich als Mann oder Frau fühlen und verhalten
  11. für eine sichere Umgebung sorgen
  12. soziale Bereiche des Lebens sichern
  13. mit existenziellen Erfahrungen des Lebens umgehen

Der Schwerpunkt dieses Modells liegt auf den beiden letzten Punkten. Bei der Erhebung wird zu Punkt 13 zwischen Existenz gefährdenden Erfahrungen sowie Existenz fördernden Erfahrungen differenziert. Ein weiterer Aspekt sind die Erfahrungen, welche wiederum die Existenz fördernd oder gefährden.

In der Gruppe werden soziale Fähigkeiten geübt, es wird Gemeinschaft erlebt und auch der Unterschied zwischen Ich und Du. Mit der Zeit wird der "eigene Platz" erobert. Die Bewohner lernen, wieder Interesse und Freude zu erleben, und kommen so mehr und mehr "zu sich".

Wenn man bedenkt, dass über Jahre oder Jahrzehnte getrunken wurde und die organischen Grundlagen bereits angegriffen sind, ist es nicht verwunderlich, dass Änderungsprozesse Monate oder Jahre brauchen. Es geht nicht "schnell wieder weg", und wir wissen nicht, wie weit der einzelne Bewohner überhaupt wieder zu sich zurück finden wird und ob er wieder allein leben und zurechtkommen kann. Dabei spielt auch die Alkoholproblematik eine Rolle, die meist nicht bewusst ist, und die Gefahr auch eines "versehentlichen" Rückfalls - da ja Alkohol in unserer Gesellschaft jederzeit und überall verfügbar ist. Ein Alkoholrückfall würde für unsere Bewohner, aufgrund ihrer Vorschädigungen, das Todesurteil oder zumindest ein weiteres Dasein als schwerer Pflegefall bedeuten. Wir sehen es auch als unsere Aufgabe an, sie vom Alkohol fern zu halten. Sie selbst sind in diesem Bereich nicht mehr verantwortungsfähig (denn Verantwortung setzt Bewusstsein voraus).

Das Waldhaus Lübberstedt ist keine geschlossene Einrichtung und will das auch nicht sein. Aber als geschlossen im Sinn einer Schutzhülle möchten wir die therapeutische Atmosphäre für die Bewohner gestalten.

Korsakow-Syndrom

Auch unter Ärzten ist das Krankheitsbild noch wenig bekannt. Bis vor einigen Jahren galten Korsakow-Patienten als "nicht mehr therapierbar und nur noch dauernd zu verwahren". Ihren Lebensabend verbrachten sie auf Chroniker-Abteilungen in psychiatrischen Krankenhäusern - "satt, sauber und trocken". Im Waldhaus Lübberstedt machen wir seit fünf Jahren die Erfahrung, dass doch noch Entwicklungen stattfinden, durch individuelle Betreuung und Förderung in kleinen überschaubaren Gruppen.

Das Korsakow-Syndrom gehört zu den so genannten hirnorganischen Psychosyndromen. Das heißt, bestimmte Zellen oder Gebiete im Gehirn des Menschen sind zerstört worden. Das kann durch schwere Kopfverletzungen geschehen, durch bestimmte Infektionskrankheiten und durch Vergiftungen, beispielsweise mit Drogen, Alkohol und Medikamenten. Die Symptome sind danach die gleichen, unabhängig davon, was die Zerstörung ausgelöst hat.

Als Menschen brauchen wir ein gesundes, funktionsfähiges Gehirn als Grundlage für unser seelisches Befinden und unsere geistigen Fähigkeiten. Störungen oder Zerstörungen im Gehirn haben also Folgen für den ganzen Menschen. Eine schwer verständliche Besonderheit bei diesen Erkrankungen ist, dass sich die Betroffenen selbst ihrer Erkrankung nicht bewusst sind. Wenn man das Gehirn als Grundlage des Bewusstseins annimmt, kann man sagen, dass ein Stück der Selbst-Erkenntnis, des Selbst-Bewusstseins mit untergegangen und nicht mehr im Bewusstsein ist.

Auffällig ist, dass meist die Fassade recht gut aufrechterhalten werden kann. Die Menschen machen zunächst nicht den Eindruck, dass sie anders oder "verrückt" sind. Sie unterhalten sich normal, bis man feststellt, dass sie zum Beispiel innerhalb von 15 Minuten schon fünf- oder zehnmal das Gleiche erzählt oder gefragt haben, dass sie zum Beispiel auf die Frage nach dem Wochentag oder Datum unsicher werden oder ablenken.

Weitere Symptome bei hirnorganischen Psychosyndromen sind Bewusstseinsstörungen, Orientierungsstörungen, Gedächtnisstörungen, Ich-Erlebnisstörungen, Konfabulationen, Wahnvorstellungen und Halluzinationen. Das alles kann mehr oder geringer ausgeprägt sein. Praktisch heißt das: Die Menschen vergessen nach Sekunden oder Minuten, was beispielsweise besprochen wurde, was es zum Essen gab, wo ihr Zimmer ist. Sie wissen nicht, wie lange sie schon an einem Ort sind und wie sie dorthin gekommen sind. Sie sind überzeugt davon, innerhalb kurzer Zeit wieder bei ihrer Familie und an ihrem Arbeitsplatz sein und selbständig leben zu können. Den meisten sind ihre Gedächtnislücken nicht bewusst. Lücken werden mit Konfabulationen - erfundenen, aber nicht immer völlig unglaubwürdigen Geschichten - gefüllt. Viele missverstehen auch Situationen oder Äußerungen anderer Menschen, beziehen Worte auf sich und denken, man rede über sie.

Es besteht fast immer eine Antriebsschwäche und eine depressive Grundstimmung, oft auch Unsicherheit, Angst (besonders vor allem Neuen) und Unzufriedenheit, die auf die aktuelle Situation geschoben wird. Nach dem Motto "wenn ich erst wieder in meiner Wohnung bin ...", "wenn ich erst wieder bei meiner Familie bin ...". Wobei die Vorstellungen über Wohnung, Familie, Arbeitsplatz und ähnliches zumeist nicht realitätsbezogen sind. Häufig beinhalten sie eine heile Welt oder die Situation, die vor zehn oder zwanzig Jahren bestand. Möglich ist auch, dass sie stundenlang untätig und traurig auf einem Platz sitzen und vor sich hin starren, wenn sie nicht angesprochen oder zu einer Beschäftigung angeregt werden.

Manchmal haben sie starke Stimmungsschwankungen, die nicht von äußeren Ereignissen hervorgerufen wurden, oder sind in einer Stimmung, die nicht zu den äußeren Ereignissen zu passen scheint. Auffällig und zum Krankheitsbild gehörend ist auch die Neigung zu Suggestibilität - das passive sich "anstecken" lassen von Stimmungen und Aussagen der Umgebung oder von Erwartungen. Ein Beispiel: Wenn wir besorgt fragen: "Geht es Ihnen auch wirklich gut?", kommt mit Sicherheit die Antwort: "nein, überhaupt nicht." Sagen wir: "Ist das nicht ein schöner Tag heute?", wird freudig mit "ja" geantwortet. Als Betreuer sind wir also sehr auf Wahrnehmungen und Beobachtungen angewiesen, um zu erfahren, wie es einem Bewohner geht, weniger auf dessen Aussagen.

Der ganzheitliche Pflegeprozess

Ganzheitlicher Pflegeprozess

Abschluss

Dies ist ein kurzer Einblick in unser Konzept. Es beinhaltet noch wesentlich mehr Inhalte, die den Rahmen sprengen würden. Unser Pflegekonzept kann jederzeit eingesehen werden, wenn Sie unser Haus besuchen.